Der Sommer bleicht Haare, Jeans und die Handyhülle gleich mit |
Ende August sieht man es an jedem Cafétisch. Das Motiv, das im Juni noch geleuchtet hat, wirkt an den Rändern milchig, die Stelle unter dem Daumen ist glatt poliert, und von den Blüten ist ein Schatten übrig. Für die Haare gibt es UV-Spray, für das Gesicht Lichtschutzfaktor, für die Jeans den Schonwaschgang. Nur das Accessoire, das den ganzen Sommer in der prallen Sonne auf dem Handtuch lag, hat niemand auf dem Zettel. Dabei ist Ausbleichen hier genauso wenig Schicksal wie beim Haar.
Die Hülle ist vom Schutz zum Statement gewordenKein anderes Accessoire zeigst du so oft her, ohne es zu merken. Die Tasche bleibt am Stuhl hängen, der Schmuck verschwindet unter dem Ärmel, aber das Handy liegt bei jedem Kaffee sichtbar auf dem Tisch. Genau deshalb ist das Motiv auf der Rückseite längst eine Stilfrage geworden, so persönlich wie die Wahl zwischen Goldkette und Silberring. Eine litauische Marke hat daraus ein komplettes Sortiment gebaut. Die bedruckten Hüllen von Burga wechseln zwischen Marmor, Blumenmotiven und grafischen Mustern, und sie werden gekauft wie Schmuck, abgestimmt auf den Rest. Umso ärgerlicher, wenn so ein Lieblingsstück nach einem Sommer aussieht wie nach fünf. Woran das liegt, hat mit dem Markennamen wenig zu tun und viel damit, wie das Motiv aufgebracht ist.
Sonne und Reibung arbeiten am MotivDer erste Täter ist dieselbe UV-Strahlung, die gefärbtes Haar heller zieht und Gardinen vergilben lässt. Sie zerlegt die Pigmente in der Druckfarbe, langsam, aber jeden Tag ein Stück. Ein Handy liegt im August stundenlang mit der Rückseite nach oben auf Strandtüchern und Biergartenbänken. Das ist ein Sonnenbad ohne jeden Schutz. Der zweite Täter wohnt in deiner Tasche. Zwischen Schlüsselbund, Puderdose und Pinseln reibt feiner Staub bei jedem Schritt über die Oberfläche, dazu poliert der Daumen beim Scrollen immer dieselbe Stelle. Sonne nimmt die Farbe, Reibung nimmt den Glanz. Zusammen lassen sie ein Motiv in einer Saison altern. Die Gegenwehr kostet nichts. Sonnencreme abends kurz von der Rückseite wischen, das Handy auf dem Handtuch mit dem Display nach oben legen und ihm in der Tasche ein eigenes Fach gönnen, weg vom Schlüsselbund. Das rettet kein schlecht gedrucktes Motiv, aber es verschafft jedem Muster einen zweiten Sommer.
Entscheidend ist, wo die Farbe sitztOb ein Muster das übersteht, hängt kaum vom Preis ab, sondern von der Bauweise. Liegt das Motiv als hauchdünne Schicht direkt auf der Oberfläche, trifft jede Berührung und jeder Sonnenstrahl ungebremst die Farbe. Die Ränder scheuern zuerst durch, dann verblasst die Fläche. Sitzt die Farbe dagegen unter einer klaren Schutzschicht oder direkt im Material, arbeitet sich der Alltag an der durchsichtigen Lage ab, und das Muster darunter bleibt, wie es war. Prüfen lässt sich das im Laden mit einer simplen Nagelprobe. Fahr mit dem Fingernagel über das Motiv. Spürst du die Farbe als eigene Schicht auf der Oberfläche, liegt sie später auch unter deinem Daumen. Wer seine Hüllen ohnehin wie Saisonware behandelt und jedes Quartal wechselt, kann das getrost ignorieren. Für das eine Lieblingsstück, das bleiben soll, entscheidet dieser Handgriff mehr als das schönste Muster.
Das Klapphandy ist das modischste Format des JahresZum Statement gehört in diesem Sommer auch die Form. Samsung verkauft das Galaxy Z Flip 8 offen als Mode-Foldable, und die Zahlen geben der Idee recht. 180 Gramm machen es zum leichtesten Falt-Handy der Marke, zusammengeklappt verschwindet es in Taschen, in die sonst gerade die Puderdose passt. Das kleine Außendisplay ersetzt unterwegs den Taschenspiegel und zeigt die Vorschau, wenn die 50-Megapixel-Hauptkamera das Selfie übernimmt. Neu sind außerdem Sensoren, die beim Zuklappen vor eingeklemmten Krümeln im Faltbereich warnen sollen. Diese Bauform stellt an ihr Zubehör eine einzige harte Bedingung. Die Mitte muss sich frei bewegen können, bei jedem Öffnen und Schließen. Es braucht darum eine falzschonende Hülle für das Galaxy Z Flip 8, zwei getrennte Schalen für die beiden Hälften, die der Faltzone nicht in die Quere kommen. Für alles andere gilt die Nagelprobe von oben. Erst über das Motiv fahren, dann verlieben. In dieser Reihenfolge sieht die Wahl auch im nächsten August noch nach etwas aus. Artikelbild ©Getty Images |